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Folgende Personen haben bei der Erarbeitung des Grenzbildes Radlpass mitgewirkt:

 

Christina Burger, Leah Czerny, Anja Gosch, Selina Novak, Bianca Pastoinegg, Andrea Schmer-Sterf, Theresa Vucak, Nadija Weixler, Vanessa Zwetti - Schülerinnen der 4.a Klasse des Schuljahres 2018/19 der Neuen Musikmittelschule Eibiswald

Schulrätin Dipl.-Päd. Monika Meßner - Oberlehrerin für Geschichte in der Neuen Musikmittelschule Eibiswald

Schulrat Herbert Blatnik – Historiker in Eibiswald

Mag. Petra Greeff – Museum für Geschichte in Graz

Gemeinderat Mag. Johann Jauk – Obmann des Ausschusses für Tourismus, Kultur, Umwelt und Landwirtschaft sowie Freizeitanlage Erlebnisbad der Marktgemeinde Eibiswald

 

Aufgestellt am: 6. Juni 2019

Sobother Abwehrkampf und Grenzziehung im Süden nach  dem Ersten Weltkrieg

Die Eibiswalder Volkskompanie hielt nicht nur den Radlpass besetzt, um heimkehr-ende Soldaten der Südarmee zu entwaffnen. Die Volkswehrmänner richteten einen Patrouillendienst von St. Pongratzen bis in die Soboth ein, verlegten eine Telefon-leitung vom Radlpass bis zum Hauptquartier beim stillgelegten Eibiswalder Stahlwerk und bauten in den Wäldern Erdbunker für die Außenposten. Auf Grund der Marburger Vereinbarung vom 13. Februar 1919 wurde eine entmilitarisierte Zone zwischen den Truppen der Republik Deutschösterreich und des Staates der Serben, Kroaten und Slowenen, kurz SHS-Staat, geschaffen. Von nun an durften nur mehr kleine Wachmannschaften an der Grenze Dienst tun. Bald darauf wurde eine vorläufige Demarkationslinie gezogen, die schon ungefähr dem Verlauf der späteren Staatsgrenze entsprach, jedoch den Ort St. Lorenzen durchschnitt. Zu Ostern 1919 geriet alles in Unruhe. Slawen sind aus ganz Kärnten vertreiben worden und Kärntner Einheiten mit Unterstützung von Studentenkompanien waren bereits in das slowenische Drautal eingedrungen. In kurzer Zeit standen in Eibiswald fast 1000 Mann marschbereit. Doch die Steiermärkische Landesregierung verbot das Unternehmen, der Radlpass durfte nicht überschritten werden.

Heimgekehrte Soldaten erklärten in einer Versammlung Anfang November 1918 ihre Zugehörigkeit zu Deutschösterreich. Von slowenischen Gendarmen, die in St. Jakob in der Soboth hin und wieder Nachschau hielten, war zu erfahren, dass die Soboth ein Teil des SHS-Staates sein wird. Aus diesem Grund nahmen viele Sobother an der Kundgebung für Österreich vor der amerikanischen Studienkommission im Jänner 1919 in Lavamünd teil. Am 21. Februar 1919 marschierten vier jugoslawische Gendarmen nach Soboth und beschlagnahmten das Schulhaus, um es in einen Gendarmerieposten umzufunktionieren. Serbische Offiziere, die sich kaum mit der Bevölkerung verständigen konnten, kamen mit einigen Soldaten zu Sobother Bauernhöfen und verteilten Einberufungsbefehle. Daraufhin flüchteten die betroffenen Sobother Burschen nach Ettendorf. In der Nacht vom 7. auf den 8. März 1919 kamen sie zurück und umzingelten, verstärkt durch eine Abteilung der Kärntner Volkswehr, die Unterkünfte der auf 22 Mann angewachsenen slawischen Besatzung und nahmen diese gefangen. Am 10. März 1919 rückte eine starke jugoslawische Abteilung gegen Soboth vor. Beim Meßnerkreuz in der Soboth fielen die ersten Schüsse, worauf sich die Jugoslawen wieder nach Hohenmauthen zurückzogen.

Der Stammeregger „Ochsenkrieg“

Im Mai 1920 wurden dem Besitzer Ternik im slowenischen Oberfeising zwei starke Ochsen gestohlen. Slowenische Bauernburschen schmuggelten sie nachts über die Grenze, wo sie von mehreren Burschen aus Aibl übernommen wurden. Die Ochsen, jeder angeblich über 600 Kilo schwer, waren aber sehr langsam und schwerfällig und den Schmugglern ist es nicht gelungen, sie noch zur Nachtzeit in einen Stall zu bringen. Am Morgen, bei Tagesanbruch, wollten sie in Bachholz unter dem Gehöft Schönegger die Straße überqueren und wurden von einem Zollbeamten, der auf dem Weg zum Dienst am Radlpass war, entdeckt. Die Schmuggler, es dürften drei bis vier gewesen sein, sind sofort auseinandergelaufen und verschwunden. Die Ochsen wurden vom Zöllner und einem Bauern vorläufig in einem Stall in der Nähe einge-stellt. Die Schmuggler haben das aber alles beobachtet und gleich danach die Ochsen wieder aus dem Stall geholt und weggetrieben.

Die Gendarmerie hat lange nach den Ochsen gesucht, aber ohne Erfolg. Irgendwann haben sie aber erfahren , dass sie bei verschiedenen Bauern in Stammeregg versteckt waren. Die Stammeregger Bauern weigerten sich, die Ochsen herauszugeben, weil einmal jugoslawische Zöllner drei Rinder, die dem Bauern Matschnigg in St. Lorenzen gehörten, widerrechtlich abgenommen hatten. Sie hatten sich von den Weideflächen auf der österreichischen Seite auf die andere Grenzseite verlaufen. Die Stammeregger Bauern wollten also die beiden Ochsen als Pfand behalten. Wochen-lang hatte dieser Fall die Gendarmerie beschäftigt, weil die Ochsen nicht zu finden waren. Die wurden nämlich nach St. Lorenzen gebracht und bei verschiedenen Bauern eingestellt. Im Herbst unternahm die Gendarmerie und Zollwache eine „Ochsenstreife“ durch mehrere Gemeinden, fanden aber nichts finden. Sie verhafteten sogar einige Bauern, die sie als Schmuggler kannten und verhörten sie, erfuhren aber nichts.

Zeitzeuge Friedl Paulitsch: „Das war ein ganz arger Streit zwischen den Stammeregger Bauern und den Gendarmen. Wir haben das „Ochsenkrieg“ genannt. Irgendwann wurde es den Bauern aber doch zu gefährlich und sie trieben die Ochsen wieder nach Bachholz hinunter.“ Altbäuerin Maria Silly vulgo Schwoager in Stammeregg: „Die Bauern haben gewusst, dass sie die Ochsen irgendwann wieder hergeben müssen. Die Viecher durch den Winter zu füttern, dass wollte auch niemand.“

 

Artikel in der Südost-Tagespost vom 29. Mai 1920