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Haus Nr.82   (alt 3 und 4)     “Lerchhaus”, “Kroierhaus”

Das sogenannte Lerchhaus, durch seine Renaissance-Diele so wertvolle Bürgerhaus besteht aus zwei Häusern, die bei der alten Häuserzählung noch mit zwei Nummern geführt und erst um 1800 zusammengeschlossen wurden. Seine Besitzgeschichte muß daher getrennt betrachtet werden.

Haus Nr.82/3. Dieses Haus ist das kleinere von beiden. Als erster Besitzer wird uns der Faßbindermeister Michael Krieger genannt, der auch Ratsherr war. Er heiratete Maria Elisabeth und starb 1731 im Alter von 92 Jahren.  Sein Nachfolger war der Bindermeister Matthias Wagner, von dem nichts Rühmliches zu berichten ist. Er hatte Schulden und wurde wegen Unzucht angeklagt. Er verkaufte sein Haus 1762 um 652 fl an Joseph Kröll. Kröll war ein Feldscher, also Militärarzt gewesen und hatte sich in Eibiswald als Bader niedergelassen. Er heiratete Theresia Zotter und ihre gleichnamige Tochter wurde 1779 die Frau des Bäckermeisters Thaddäus Hubmann. Kröll wurde als angesehner Mann 1770 zum Marktrichter gewählt. Doch 1771 resignierte er und zog später nach Graz. 

1768 hatte er das “Baderius” an Augustin Caspar verkauft, zehn Jahre später verkaufte er das ganze Haus an Franz Anton Xaver und Constantia Lerch. Herr Lerch war damit zweifacher Hausbesitzer, weil er schon das Haus 79 besaß. Dann kam es zu seinem finanziellen Zusammenbruch, der zu einer Reihe von wirklichen und scheinbaren Verkäufen und auch zu einer überraschenden Eheschließung führte, die das Schlimmste  verhinderten. Beide Häuser wurden miteinander verbunden und blieben es von nun an, wenn auch für einen Teil des Hauses in der ersten Hälfte des 19.Jahrhunderts noch andere Besitzer aufscheinen, wie z.B. 1837 Matthias und Maria Mörth.

Haus Nr.82/4  Dieses Haus scheint von Anfang an einer der großen Gasthöfe des Marktes gewesen zu sein. Erster uns bekannter Besitzer ist Hans Georg Kacherl. Sein Vater war Matthias Kacherl, “Ratsburger in Windischgratz”, der mit seinem Sohn nach Eibiswald gezogen war und hier verstarb. Was ihn nach Eibiswald gezogen hatte, war eine Heirat. 1684 führte er Catharina Eder, die Tochter des Eisenverwalters Andreas Eder, als Frau heim. 1701 starb Kacherl im Alter von 46 Jahren. Einer seiner Söhne, Jakob Kacherl, wurde Priester und kam 1738 als Kaplan nach Eibiswald, ein anderer, Hans Georg Kacherl d.J., übernahm das väterliche Erbe.

1711 ging von seinem Stall das verheerende Feuer aus, das den Großteil des Marktes in Mitleidenschaft zog. Man lastete ihm jedoch keine Schuld an, denn bald nachher wurde er in den Rat aufgenommen und in der Folge nicht weniger als dreimal zum Marktrichter gewählt. Seine erste Frau war Maria Theresia Multzin, seine zweite Maria Christina Gordon, die Witwe des Franz Gordon, der Organist und Schulmeister in Schwanberg gewesen war. Der Herr schenkte ihnen acht Kinder, aber 1751, als Kacherl starb, konnte noch kein Sohn den Besitz übernehmen. Die Tochter aus erster Ehe Maria Theresia hatte schon 1740 Jacob Gritzner (Grützner) geheiratet. Gritzner war Kornett und Feldscher in einem Kürassiereregiment gewesen. Gritzner wurde 1744 in die Bürgerschaft aufgenommen, erhielt nach dem Tode seines Schwiegervaters dessen Ratsherrnstelle und  wurde sogar Marktrichter. Er scheint ein kluger Kopf gewesen zu sein, denn von nun ist vom Bierbrauen und von der Lebzelterei die Rede.

1782 übernahm von der Mutter Theresia der Sohn Jacob J.Th.Gritzner, der schon als “Lebzelter” bezeichnet wird. Er heiratete noch im gleichen Jahre Viktoria Iberer und wurde dadurch wohl zu einem der wohlhabendsten Bürger des Marktes. Neben dem Gasthof mit Lebzelterei und Brauerei besaß er auch eine Landwirtschaft und den Ziegelstadl. 1785 wird er uns zum letzten Male genannt, es ist unbekannt, was mit ihm und seiner Familie geschehen ist. Darauf trat ein Grazer Lebzelter namens Joseph Feigl auf den Plan.  Er kaufte das Haus Nr.4, verheiratete seine Tochter Barbara 1779 mit Felix Altensperger und  scheint von  Anfang an dem auf seinen Ruin zusteuernden Hausnachbarn Franz Anton Xaver Lerch beigestanden zu sein. 1786 verkaufte er sein Haus dem Lebzelter Franz Reicher (Reichert) aus Graz. Reicher begann die Lebzelterei in größerem Stil zu betreiben, doch 1790 kam es zu einem der damals nicht seltenen Schicksalsschlägen: Reicher, so steht es zu lesen, ist “jählings mit dem Tode abgegangen”. Schon ein Jahr darauf folgte ihm seine erst 33jährige Frau. So blieb nur die Tochter Therese übrig, die 1820 Franz Walter heiratete und im gleichen Jahr verstarb. 

Das Haus übernahm nun Anton Lerch, der ja Barbara, die Tochter Feigls, in zweiter Ehe geheiratet hatte. Er war es auch, der beide Häuser zusammenschloß. Um diesen Besitz zu halten, kam es nun zu Scheinverkäufen. Der Pächter der Herrschaft Eibiswald Purgay kaufte 1797 beide Häuser als Strohmann für seinen Schwiegersohn Ignaz Rüstenholzer aus Graz. Rüstenholzer war noch minderjährig, hatte aber im gleichen Jahr Anna, die Tochter von Felix Altensberger, geheiratet. Der Kaufpreis soll  5750 fl  betragen haben. 1800 wird berichtet, daß Rüstenholzer die Lebzelter-, Bier- und Weinschankgerechtsame besaß, die aber vermutlich nicht von ihm, sondern von Anton Lerch ausgeübt wurden. 1804 kaufte jedenfalls Anton Lerch offiziell alles vom “Ex-Lebzelter” Rüstenholzer um angeblich 6000 fl zurück und seitdem blieb das Haus Nr.4 im Besitz der Familie Lerch. Als Anton Lerch 1811 verschied, folgte sein gleichnamiger Sohn, der 1814 die wohlhabende Theresia Perisutti heimführte. 1834 wurde Theresia Witwe und 1847 übergab sie ihrem Sohn Wilhelm Lerch. Bald darauf nahm von diesem Haus wiederum ein Brand seinen Ausgang. Der große Marktbrand von 1854 legte fast den ganzen Markt in Schutt und Asche.

1893 war Johanna Lerch Alleinbesitzerin. Sie vermählte sich mit Heinrich Kieslinger d.J., der im Erdgeschoß eine Gemischtwarenhandlung eröffnete. Lebzelterei und Gastwirtschaft waren schon zuvor geschlossen worden. 1897 erbten Johann und Emma Lerch den ansehnlichen Besitz. Johann Lerch, der letzte männliche Nachfolger der Familie Lerch und mit Schulden belastet, verübte 1915 Selbstmord. Im selben Jahr erwarb Karl Wrentschur den Besitz, der unter ihm zerstückelt wurde. Das Haus wurde 1923 vom Sägewerksbesitzer Franz Brauchart erworben. Brauchart war der wohlhabende “Grausbauer” von Buchenberg 1. Er überließ den Eibiswalder Besitz seinem gleichnamigen Sohn, der sich ganz der Holzwirtschaft, die damals einen großen Aufschwung erlebte, widmete. Auf dem einstigen Stahlwerksgelände - neben der heutigen Hauptschule - errichtete er 1924 eine Dampfsäge. Das Hofgebäude des Lerchhauses, heute Nr.82a, baute er zu einem Pferdestall um und stellte dort 12 Pferde ein. Auch richtete er dort eine Schmiede und eine kleine Wagnerei ein. Zwei große Schlitten für den Winterbetrieb standen im Hof. An die hundert Arbeiter soll er beschäftigt haben.

Den westseitigen Trakt des Erdgeschoßes konnte der Sattlermeister Josef Legath anmieten. Legath galt als ausgezeichneter Fachmann in der Lederverarbeitung und erzeugte auch Ledergamaschen für Holzknechte, Schibindungen und Rucksäcke. Nach seinem Tod 1940 führte die Witwe die Sattlerei bis 1958 weiter.

1936 wurde Rosa Brauchart nach dem Tod ihres Gatten Besitzerin. Frau Kroier, wie sie nach Wiederverheiratung hieß, vererbte das Haus 1979 an ihren Adoptivsohn Ing.Werner  Strametz. Bis zur Mitte der 80er Jahre war das Obergeschoß vermietet gewesen. Unter anderem wohnte da der Hauptschuldirektor und Obmann der ÖKB-Ortsgruppe Friedrich Hauke, der 1954 zum Schulinspektor des Bezirkes Feldbach ernannt wurde.

1985  wurde das Haus von der Marktgemeinde Eibiswald erworben, die es in ein Kulturzentrum verwandelte. Derzeit sind darin ein Informationsbüro, Ausstellungsräume, ein kleiner Festsaal und ein “Schilcherkeller” beheimatet. Die Wohnungen im Dachgeschoß sind vermietet.

 

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