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© Adi Allesch

 

Haus Nr.78 (alt 68)  “Wakonigg”, “Stiegler”

Bei diesem Bürgerhaus läßt sich die Abfolge der Besitzer am weitesten zurückverfolgen.

Um 1650 lebte hier Lorenz Hergg, der aus Leibnitz stammte und vermutlich hier eingeheiratet hatte. Hergg war “Hutterer” oder Hutmacher, der es in Eibiswald bis zum Ratsherrn und zum Marktrichter brachte. Er war zweimal verheiratet. 1690 übernahm sein Sohn Hans Hergg, der die Vertrauensstelle eines “Gemeiners” bekleidete. Er heiratete die Fleischermeisterstochter Barbara Lubi. Geld kam damit zu Geld. Nach dem frühen Tod von Hans Hergg heiratete die Witwe den Hutmachergesellen Heinrich Plengg oder Plenk, welcher aus Neisse in Schlesien stammte, das damals zu Österreich gehörte. 1697 wurde Plengg in die Bürgerschaft aufgenommen.

Damit begann die Geschichte der Familie Plenk, die in Eibiswald eine bedeutsame Rolle spielen sollte. 1743 übernahm der Sohn Anton Plengg, der Magdalena Schrei heiratete. Er starb jedoch schon in jungen Jahren und seine Frau Magdalena mußte als Witwe bittere Erfahrungen machen. Zunächst heiratete sie Michael Feichtinger, der aber schon 1770 starb. In dritter Ehe reichte sie dann dem Hutmacher Genuin Prugger die Hand. Prugger, der aus Tirol stammte, scheint die vermutlich ältere Frau nicht gut behandelt zu haben. 1779 erschien sie vor dem Marktgericht und machte dort ihr Testament. Da Prugger sie “nicht billig traktiert” habe, so vermache sie nach ihrem Tode 150 fl ihren Kindern, 50 fl aber der Bruderschaft und  der Kirche, diese seien “vor ihrer Seele angewandt”.  Magdalena überlebte aber auch ihren dritten Mann und übergab 1790 ihrem Sohn aus erster Ehe, dem Hutmachermeister Anton Plenk. Der Besitz wurde damals auf 1150 fl geschätzt. 

Anton Plenk  war bei der Übergabe schon ein reifer Mann. Seine erste Frau Cecilie war schon 1787 gestorben, nun heiratete er die Magd Maria Schober, die von ihm schwanger war. 1808 verschied Anton Plenk im Alter von 59 Jahren. Die Witwe Maria übergab an den Sohn Joseph Plenk. Welches Ansehen dieser Hutmachermeister genoß, zeigen seine Ehen. Seine erste Frau war Johanna Schrotz, die 1815 im blühenden Alter von zwanzig Jahren im Kindbett starb. Seine  zweite Frau war die Bäckermeisterstochter Juliana Hubmann. Damit waren die maßgeblichen Familien des Marktes untereinander verschwägert.

1842 wurde ein Stockwerk aufgebaut. 1855 übergab die Witwe Juliana ihrer Tochter Theresia, die den Hutmachermeister Johann Kurnig geheiratet hatte, den ansehnlichen Besitz. Damit verschwand der Name Plenk nach mehr als anderthalb Jahrhunderten aus den Matriken. Die Hutmacherei fand aber erst 1875 mit dem Tod des Johann Kurnig ein Ende. Jakob und Anna Höller kauften den Besitz um 9000 fl und richteten im alten Hutmacherhaus eine Gastwirtschaft ein. 1884 folgte Alois Stromaier, 1888 Carl Trummer und 1889 Markus und Rosalia Klinger. Das Ehepaar Klinger führte ein Gasthaus und eine Fleischhauerei. 1902 passierte im Hause ein aufsehenerregender Mord, der nie aufgeklärt werden konnte.

1903 heiratete die Witwe Rosalia Klinger den Fleischhauermeister des Stahlwerkes Thaddäus Wakonigg, den die Gesellen-Wanderschaft ein Jahr zuvor von Liezen in den Süden geführt hatte. Nach dem Tode seiner ersten Frau ehelichte Thaddäus Wakonigg 1913 Josefa Hütter, eine Nichte seiner ersten Frau. Im Gasthaus Wakonigg gab es damals schon einen Billardtisch und das Haus wurde zum Treffpunkt der völkischen Jugend. Im ersten Stock siedelte sich das Vereinsheim des Deutschvölkischen Turnvereins an. Im ersten Stock war bis 1938 das Steueramt untergebracht. Frau Isabela Wippel: “Bevor man in das im Obergeschoß gelegene Steueramt ging, holte man sich bei der Schank eine “Stärkung”, danach einen “Trost”. An der Straßenseite wies ein etwa ein Meter hoher eiserner Doppeladler den Weg in dieses Amt. In den Notjahren der 20er und 30er Jahre wurden hier auch die Arbeitslosengelder ausbezahlt. An den Auszahlungstagen wälzte sich eine Schlange von bis zu 1000 Arbeitslosen durch das Wakonigghaus.”

Das Ende des letzten Krieges brachte großes Leid über die Familie Wakonigg: Ein Sohn wurde als Kampfflieger abgeschossen, eine Tochter wurde verschleppt. 1948 übernahm die Witwe Josefa den Besitz und übergab ihn 1963 an die Tochter Josefine und deren Gatten Oberst Hans Stiegler.

 

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