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© Heimo Strasser

 

Haus Nr.74  (alt 64 )   “Kulmerschneider”, “Sakl”

1765 kaufte der Schneidermeister Johann Lederhaß das “Simon Kranewittische Haus”. Auf ihn folgte die Schneidermeisterfamilie Zenz. Der Vulgoname “Kulmerschneider”, der zuerst 1781 erwähnt wird, geht vermutlich auf den Vornamen Koloman zurück, den ein Schneider der Familie Zenz geführt haben dürfte. 1781 übergab die “bürgerliche Schneidermeisterin” Catharina Zenz das Haus an ihre Tochter und ihrem Schwiegersohn Johann Passegger, einem Schneidergesellen aus Schwanberg. Daß alle diese  Familien untereinander verwandt waren, zeigt die Tatsache, daß in diesem Hause 1821 eine Anna Lederhaß im Alter von 60 Jahren verstarb. Der Sohn Joseph Passegger übernahm Haus und Werkstätte im Jahre 1805. Er war Schneidermeister und Weber. Seine erste Frau hieß Regina Koschak, die zweite Juliana Hirsch. Joseph Passegger erreichte das hohe Alter von 80 Jahren und starb 1863.

Schon 1847 hatte er seinem  gleichnamigen Sohn übergeben. Joseph Passegger junior, der als “concessionierter Schneider” bezeichnet wurde, nahm sich Magdalena Deutschmann, eine Bauerntochter aus Aibl, zur Frau. 1886 starb er mit 76 Jahren. Mit ihm fand die Familie Passegger, die hier 105 Jahre gewirkt und gelebt hatte, ein Ende. 1887 kauften sich hier Josef und Josefa Katzbeck an, 1890 Johann und Theresia Held und 1892 Anton Frahs. Frahs war ein Schneidermeister aus St. Georgen an der Stainz und heiratete Agnes Tschiltsch, verwitwete Koller. Die Eheschließung  ließ ihn in Eibiswald seßhaft werden. Seine zweite Frau hieß Theresia Woger, die 1919 als Witwe das Haus erbte. 1927 folgte die Tochter Rosa, die den aus Feisternitz stammenden Briefträger Matthias Sakl heiratete.

Zu dieser Zeit arbeitete in einem Hinterhaus, das die Nr.125 trug, der Schuster Ehrgott. Frau Wippel bemerkte zu “Meister Ehrgott”, daß er kaum mehr neue Schuhe anzufertigen hatte, weil sich das nur wenige Leute leisten konnten. Wie alle Schuster in der Zwischenkriegszeit war er allmählich zum Flickschuster geworden. Frau Karoline Sakl kann dies bestätigen: “Herr Ehrgott lebte in bitterer Armut. Mit seinen bescheidenen Einnahmen hatte er noch für eine Schwester, seine Mutter und eine Ziehtochter namens Anna zu sorgen. Zum Glück ließ hin und wieder ein Zollbeamter ein Paar Schuhe bei ihm anfertigen. Diese Männer, die damals viele Kilometer täglich zurücklegen mußten, schätzten seine Schuhe ganz besonders.”

1971 erfolgte dann die Übergabe an die Kinder Josef, Dorothea und Karoline Sakl.

 

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