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© Adi Allesch

 

Haus Nr.59    “Zum Saitenmacher”, “Khraberwirt”, “Kloepferkeller”

Dieses Haus, eine ehemalige Kirchengült, ist ein uraltes Gasthaus. Der Vulgoname “Zum Seitenmacher” geht sicher nicht auf einen Beruf, sondern auf den Namen früher Besitzer zurück, die urkundlich nicht mehr faßbar sind. Als erster uns bekannter Wirt scheint 1660 Andreas Grieß auf. Schon 1656 wird seine Frau Susanne als “Wirtin bei der Kirchen” erwähnt. Als Grieß 1669 starb, folgte auf ihn Hans Khraber, der Maria Grießin geheiratet hatte und so in den Besitz des Hauses kam. Nach seinem Tode heiratete die Witwe Maria Matthias Weixler, und nun nannte man das Gasthaus den “Khraberwirt bei der Kirchen”. 1688 wird Weixler als “herrschaftlicher Untertan” bezeichnet, um diese Zeit muß daher die Loslösung aus der Kirchengült erfolgt sein.

Auf Weixler folgte Georg Metzger. Man wird nicht fehlgehen, wenn man in diesem Namen eine ursprüngliche Berufsbezeichnung erblickt. Metzger kam durch eine Heirat in den Markt Eibiswald. Leider wird seine Herkunft nicht angegeben. 1688 vermählte er sich mit der Witwe des Riemers Georg Schmölzer und erwarb bald darauf dieses Haus. Die erheiratete Behausung verkaufte er 1696 um 600 fl an den Handelsmann Murer. Metzger wurde 1711 zum Marktrichter gewählt. Dieses öffentliche Amt läßt auf Ansehen und Woihlhabenheit schließen. Nach seinem 1717 erfolgten Tod folgten auf ihn sein gleichnamiger Sohn und dessen Ehefrau Barbara. Auch Georg Metzger junior war Gastwirt und Fleischhauer, wie sein Vater. 1713 und 1715 wurde ihm vom Magistrat das “Fleischhacken” übergeben. Die Tochter Maria Anna heiratete Joseph Lorenz Hintinger (Heidinger). Hintinger war Schreiber bei der Herrschaft Eibiswald und diente dann als Bürger in gleicher Eigenschaft auch dem Markt Eibiswald.

Schon als Schreiber hatte er sich im Markt angekauft und das Haus Nr.86 von der Witwe Rosina Össich erworben. 1724 wird er erstmals als Bürger erwähnt, bald wurde er in den Rat berufen. Nach dem Tode seiner Frau, “bürgerliche Ratsfrau” genannt, heiratete er  wieder. Sein Sohn Leopold wurde Priester. Er erhielt 1754 einen “Freitisch” im Markt und war 1760 Kaplan in Eibiswald.

1756 starb Hintinger und es folgte Johann Georg Wirt, der Weinaufschläger oder Steuereinheber gewesen war und nun “Gastgeb” wurde. Schon nach zwei Jahren segnete er im Alter von 52 Jahren das Zeitliche. Elisabeth Wirt, die Witwe oder Tochter Wirts, heiratete Johann Hornung, der allerdings in einen Konflikt mit dem Magistrat geriet, weil er 1764 einen Startin Wein bei der Maut nicht angab. Der Wein wurde beschlagnahmt und Hornung hatte obendrein 3 fl Strafe zu bezahlen. Doch wurde ihm auf seine Bitte ein Drittel der Strafe nachgelassen. 1794 ist Hornung im hohen Alter gestorben. Seine Witwe Elisabeth faßte nun einen achtenswerten Entschluß. Sie setzte als Alleinerben des beachtlichen Vermögens das daneben gelegene Bürgerspital ein. Ihre Tochter, deren Erbteil bereits ausbezahlt worden war, hatte übrigens den Bader Dörr geheiratet. Besitzer des Hauses “Seitenmacher” wurde nun Matthias Malli, der eine Frau Theresia Starz ehelichte. 1798 wurde der Kauf vollzogen. Als er 1812 starb, folgte sein Sohn Franz Malli, der 1815 Elisabeth Stelzer heiratete. Von ihm heißt es, “Gastgeb allda, vulgo Seitenmacher”. Die Trauung fand in der Wieser Kirche statt, die damals schon eine gewisse Berühmtheit erlangt hatte. Nach dem Tod von Franz Malli heiratete seine Witwe Herrn Matthias Stelzer, vermutlich einen entfernten Verwandten ihrer Seite. Auf ihn folgte sein Sohn Franz Stelzer, der eine Maria Engelbogen heimführte. Er starb 1853.

Gastwirt und Fleischhauermeister wurde nun sein Sohn Franz Stelzer junior, der Maria Theresia Lerch ehelichte, eine Tochter des Wirtes Anton Lerch im Hause Nr.82. 1881 starb Franz Stelzer und es folgte der gleichnamige Sohn, Franz Stelzer III. Er ehelichte Josefa Resch. Mit ihm ging die “Dynastie” der Stelzer, die auch Hans Kloepfer gewürdigt hat, zu Ende. Im Jahre 1886 werden als Besitzer zunächst Markus Resch und dann Carl und Maria Krottmayer genannt. Von ihnen erwarben den Gasthof 1903 Johann und Maria Fauland (Faullend), die den Gasthof, die Fleischerei und eine Landwirtschaft betrieben. 1932 übernahmen Aloisia Faulend und 1954 Friederike Faulend den Gasthof als Mitbesitzerin. 1968 übernahm das Ehepaar Johann und Hildegard Faulend den Besitz.

Hans Faulend ist der Begründer des modernen Gast- und Hotelbetriebes “Kloepferkeller”. Obwohl er sich, wie er im Freundeskreis mehrmals betonte, lieber seinem erlernten Büchsenmacherhandwerk zugewandt hätte, waren ihm als Hotelier beachtliche Erfolge beschieden. Überdies sollen seine Verdienste als Bezirksstellenleiter der Handelskammer in der Sektion Fremdenverkehr und auch als Obmann der Eibiswalder Marktkapelle nicht vergessen werden. Unter seiner rigorosen Führung gelang es 1950, die Musiker – als erste im Bezirk Deutschlandsberg – in einheitlicher Tracht einzukleiden. Erwähnenswert wäre auch, daß Herr Faulend sein Glück als Bergbauunternehmer versuchte, und zwar mit dem Glanzkohle-Grubenfeld “Erika” in Weidenbach bei Wernersdorf am Ende der 50er Jahre.

 

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