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© Adi Allesch

 

Haus Nr.49    “Hofmühle” oder “Lerchmühle”, “Deutschmann”

Diese Mühle befand sich, wie die Kreuzmühle, lange im Besitz der Herrschaft Eibiswald, doch ist wahrscheinlich, daß sie ursprünglich eine Pfarrgült, also im Besitze der Pfarre, gewesen ist. Wie sie in den Besitz der Herrschaft kam, ist nicht überliefert. Die Mühle wurde Jahrhunderte hindurch von Dienstleuten und Pächtern bewirtschaftet. Erst 1847 wurde sie verkauft, und zwar an Wilhelm und Johanna Lerch, geborene Perisutti. Statt von der Hofmühle sprach man nun von der Lerchmühle. 

Wilhelm Lerch war in verschiedenen Bereichen tätig und verpachtete die Mühle, die sich im Laufe der Zeit zu einer “Lohnmühle” mit einer Ölpresse entwickelt hatte. 1890 wurde Johanna Lerch Witwe und 1891 verkaufte sie an Alois Deutschmann d.Ä., einen Mühlenbesitzer aus Pitschgau. Damals war an die Mühle bereits ein Sägewerk angeschlossen, das sich bachaufwärts befand. Der aus Holzpfosten kunstvoll gezimmerte Fluder für Mühle und Säge zweigte bei der Schrotzwehr ab, verlief durch den Gensinger Garten und vorbei an der heutigen Werkstätte Koch-Wonisch. Dort etwa war die Wäschebrücke. 1921 übernahmen Alois Deutschmann d.J. und seine Frau Maria, sie war eine geborene Holzer von der “Kreuzmühle”, die Anlage.

Als die Mühle 1924 abbrannte, wurde sie verkleinert und Herr Deutschmann errichtete ein Elektrizitätswerk. Auch das E-Werk erlitt mehrmals Hochwasserschäden, die ärgsten bei der “Sintflut” im Mai 1939, als die Wehr völlig weggerissen wurde und die 8 cm starken Pfosten erst bei St.Johann i.S. wieder auftauchten. Eine ganze Woche brauchte es, sie zu bergen und mit Ochsenkarren zurückzubringen. Ein Jahr lang glaubte man, das Werk würde nie mehr laufen, bis die NS-Gauleitung in Graz aus kriegswirtschaftlichen Erwägungungen Herrn Deutschmann aufforderte, das Werk mit staatlichen Mitteln zu restaurieren. Im Herbst 1940 konnte es wieder Strom liefern.

1960 wurde das Sägewerk in Richtung des daneben gelegenen Wohnhaus Nr.50 verlegt. Herr Bernd Weber, der sich um Sägewerker ausbilden ließ, führte das Werk mit seinem Vater noch einige Jahre weiter. 

Bis 1961 war das E-Werk in Betrieb. Halb Eibiswald und Hörmsdorf wurden mit Strom vesorgt. Der überwiegende Teil der Freileitungen war noch von Herrn Deutschmann persönlich installiert worden. Die Wartungsarbeiten an Werk und Fluder waren mitunter sehr aufwendig. Herr Weber erinnert sich noch an diese Zeit: “Oft mußte der Fluder abgedichtet werden, indem wir einfach in die Ritzen zwischen den Pfosten Werg stopften. Die kalten Wintertage, an denen der Fluder wie eine einzigartige Eisgalerie aussah, bewirkten oft einen Leistungsabfall der Turbine. Daher schafften wir uns 1950 einen “Jenbacher” Einzylinder-Dieselgenerator an, um die Energieverluste auszugleichen.” 1961 wäre der Bau eines Transformators notwendig gewesen, da entschied man sich für die Stillegung des Werkes.

1962 übernahmen Alfred und Maria Weber den Besitz und 1982 ging das Anwesen durch Schenkung an Bernd Weber über, einem Enkel des Herrn Alois Deutschmann d.J.

 

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