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© Heimo Strasser


Haus Nr.44   (alt 40)       “Naderer”

Auch hier waren einst Lederermeister ansäßig. Am Ende des 17. Jahrhunderts gab es im Markt Eibiswald zwei miteinander verwandte Familien mit dem Namen Brädisch (Präditsch, Wraditsch), die beide das Ledererhandwerk ausübten. Die eine Familie bewohnte das Haus Nr.27, die andere war hier anzutreffen.

Als erster Lederer wird Oswald Brädisch erwähnt. Er muß nach 1690 gestorben sein, denn 1693 zog Stephan Soinegg vom Hause Nr.27 hierher um. Er hatte die Witwe des Georg Brädisch geheiratet und war anscheinend hier erbberechtigt. Soinegg starb 1739 im Alter von 63 Jahren. Er hatte nicht weniger als viermal geheiratet, zuerst Maria Brädisch, dann Barbara Fasching, Elisabeth Semblechner und Maria Anna Gosch. Letztere überlebte ihn und heiratete 1742 den Lederergesellen Veith Linzeder aus Bayern. Als dieser 1755 das Zeitliche segnete, heiratete sie in dritter Ehe den Lederer Stephan Raunögger (Rannegger) aus Maria Wörth in Kärnten.

Damals wurde der Besitz auf 500 fl geschätzt. Raunögger heiratete nach dem Tod der Maria Anna noch zweimal, 1761 Theresia Kaufmann aus Wildon und 1782 Maria Kronabitter aus Lichtenegg. 1800 kaufte Johann Pichler von Maria Raunögger das Haus um 500 fl. Auf ihn folgten Andreas und Katharina Pichler, die beide 1814 starben. Pichler war Maurer gewesen und hat das Haus wesentlich ausgebaut, so daß es nach seinem Tod auf 1025 fl geschätzt wurde. Auf ihn folgte seine Tochter Constantia, die 1815 Johann Zwetty heiratete. 1834 übergaben beide an Anton und Theresia Pratter. Theresia war eine Tochter des Ehepaares Zwetty. Pratter wird in den Urkunden als Bürger, Maurer und Keuschler erwähnt.

Als Frau Theresia Pratter Witwe geworden war, heiratete sie den Rauchfangkehrer Sebastian Marx aus Niederösterreich. 1862 wurde der Besitz auf 2280 fl geschätzt, doch 1864 mußte Marx, um Gläubiger zu befriedigen, Grundstücke verkaufen. 1878 folgte Joseph Marx, 1885 Sebastian Marx d.J. und 1886 Josef Marx. 1922 übernahm Theresia Marx das Haus und die Landwirtschaft.

Ihre Tochter Maria ehelichte 1926 den Rauchfangkehrermeister Josef Naderer, der kurz nach dem Ersten Weltkrieg vom Tullnerfeld in Niederösterreich zugewandert war. Er wurde schon bald in die Eibiswalder Bürgerschaft aufgenommen und im schiwerigen Jahr 1934 zum Wehrhauptmann der Freiwilligen Feuerwehr ernannt. Neben seinem Gewerbe hatte Herr Naderer noch ausgedehnte Ackergründe zu bewirtschaften. Von seinen zwei Söhnen fiel einer im Krieg, während der zweite Sohn Franz mit seiner Schwester Josefine 1955 den Besitz übernahm. In den 60er Jahren erfolgte ein großer Umbau. Franz Naderers Sohn Herbert ist seit 1983 Besitzer und übt nun in vierter Generation das Gewerbe des Rauchfangkehrermeisters aus.

Bachseitig gelegen gehört zum Naderer-Besitz noch ein kleines Kellerstöckl, das lange Zeit vermietet war. So wohnten, zum Beispiel, der Maler Karl Reithofer und Frau Josefine Naderer darin.

 

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