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© Adi Allesch

 

Haus Nr.40 (alt 51)     ”Baderhaus”, ”Philipphaus”, ”Lais”

Die Entstehungsgeschichte dieses Haus ist nicht lückenlos zu erforschen. Möglicherweise besaß bereits ein Bader namens Sammer dieses Haus neben seinem Haus Nr.30. 1768 wurde Haus Nr.40 jedenfalls von Augustin Caspar um 1070 fl erworben. Der Vater Caspars war Kammerdiener in Bayern gewesen und von ihm scheint Caspar eine vornehme Haltung und einen Hang zur französischen Sprache übernommen zu haben. Er nannte sich Castär. 1769 erwarb er das Bürgerrecht und wurde als ”bürgerlicher Bader allhie” bezeichnet. Jedenfalls muß Kaspar ein gewinnendes Auftreten besessen haben, denn er heiratete zweimal reiche Bürgerwitwen. Seine erste Frau war Barbara Traunsteiner, die Witwe nach dem Kaufmann Raimund Traunsteiner. Sie war bei der Hochzeit 54, er 34 Jahre alt. Nach dem Tod seiner ersten Frau ehelichte er die Constantia Zeilinger, die Witwe des Sensenschmiedmeisters. Dadurch geriet er in verwandtschaftliche Beziehung zu Purgay, dem Verwalter und späteren Käufer der Herrschaft Eibiswald, der eine Tochter Zeilingers zur Frau genommen hatte.

Sein Beruf muß einträglich gewesen sein. Es war ihm möglich, Badergesellen zu halten und 1779, nach dem Tode seiner ersten Frau, zahlte er zwei Erben mit 675fl aus. Kaspar wollte sich 1784 schon zurückziehen und verkaufte an den Bader Joseph Moser und dessen Frau Elisabeth. Doch machte er den Kauf wieder rückgängig. 1786 verkaufte er dann endgültig Haus und Baderius an Franz Xaver Dörr. Dieser ”Wundarzt” und ”bürgerlicher Chyrurgus”, wie er in den Quellen genannt wird, hatte sich mit einer reichen Wirtstochter namens Elisabeth Hornung vermählt. Da sein Vorgänger Kaspar weiter Leute behandelte, gerieten die beiden Bader 1790 in Streit.

Auf Dörr folgte der Bader Johann Kogler aus St. Stefan bei Stainz. Er baute 1802 das Haus weiter aus. Eines seiner Kinder starb vierjährig an Blattern. 1842 wurde der Besitz Koglers auf 3200 fl geschätzt. Als Kogler älter wurde, stellte er Provisors oder Vertreter an. Kogler war zweimal verheiratet und hatte zwei Töchter. Die Tochter Anna heiratete 1826 Georg Wolfbauer aus Stainz. Die Zweite Tochter Babette ”ließ sich mit dem Bezirkschirurgen Johann Philipp ein” und brachte 1851 ein uneheliches Kind zur Welt, doch kam es bald darauf zur Hochzeit und 1863 wurde Johann Philipp als Mitbesitzer eingetragen. Der Schätzwert betrug damals 3500 fl.

Chirurg Philipp tritt uns auch in der Geschichte der Familie Kloepfer entgegen: Johannes Klöpfer, 1861 aus dem Schwabenlande in die Steiermark eingewandert, diente bei Philipp einige Wochen lang als Provisor. Er schrieb seinen Namen noch lange Zeit mit ”ö”!

1893 übernahm Johann Philipp junior. 1901 kauften das Anwesen Alois und Maria Brauchart. Brauchart besaß beachtlichen Grundbesitz und betätigte sich als Bäckermeister und als Wirt. Er wurde auch Bürgermeister und dachte daran, eine Bahnhofrestauration zu betreiben, wenn die geplante Bahn gebaut würde. 1917 folgte sein gleichnamiger Sohn Alois, 1921 Maria und Anton Brauchart. 1934 kaufte Johann Schmuck den großen Besitz und betrieb Gastwirtschaft und Fleischerei weiter. Schmuck, ein humorvoller Mann, soll mit leeren Händen nach Eibiswald gekommem sein und sich empor gearbeitet haben. 1971 übernahm der Enkel von Herrn Schmuck, der Fleischermeister Werner Lais.

 

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