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© Heimo Strasser

 

Haus Nr.3 (alt 9)    “Torschuster”, “Bretterklieber”

Der Hausname “Torschuster” weist darauf hin, daß sich einst von hier quer über die Straße das obere Markttor erhob. Als erster Besitzer dieses Hauses ist Johann Skiecz, ein Schuhmachermeister, nachzuweisen. Von ihm kaufte im Jahre 1771 Joseph Freysinger Haus und Gewerbe. Ein Jahr darauf heiratete er Maria Millner, die ihm nicht weniger als acht Kinder schenkte. Nach dem Tod seines Vaters übernahm 1800 Joseph Freysinger d.J. von seiner Mutter. Das Haus trug damals schon den Vulgonamen “Torschuster” und wurde samt den dazugehörenden Gründen auf 605 fl geschätzt. 1832 starb Joseph Freysinger d.J. im Alter von 56 Jahren. Die Schusterwerkstätte wurde von seiner Witwe Maria, geborene Lampl, weitergeführt und 1841 dem Sohn Franz Freysinger übergeben. 1842 heiratete dieser Barbara Jammernegg aus St.Ulrich.

Nachdem drei Generationen der Familie Freysinger nicht ganz ein Jahrhundert lang hier gelebt und ihren Beruf ausgeübt hatten, wurde das Haus 1863 vom Arzt Dr.Johann Schaffer erworben, der das Haus neu erbaute. Neben seiner Gattin Therese wohnte auch sein Bruder Klementin hier, ein Oberleutnant, der 1879 mit 27 Jahren verstarb. Dr.Schaffer war der erste an der Universität ausgebildete Arzt, der sich im Markt Eibiswald niederließ und seine Praxis neben jener des Wundarztes Klöpfer ausübte. Als Dr.Schaffer als Facharzt nach Graz zog, kaufte das Haus 1899 wieder ein Arzt, Dr. Ernst Kollar. Wie wenig man damals gegen die Volkskrankheit Tuberkulose auszurichten vermochte, zeigt das Schicksal seiner Frau Therese, die im Alter von 35 Jahren dieser Krankheit erlag.

1903 erwarb das Ehepaar Lenhard das Haus. Lenhard war Spenglermeister, der in seiner Freizeit als Baßgeiger verdienstvoll bei den Eibiswaldern “Schrammeln” mitwirkte. Seine Tochter Angela heiratete den Spenglermeister Isidor Puff aus Hüttenberg in Kärnten, der den Betrieb weiterführte. Die Werkstatt befand sich im Hinterhaus, das Obergeschoß war stets vermietet. In den 30er Jahren, und noch einige Jahre nach 1945, wohnte hier der aus Kirchberg an der Raab stammende Tierarzt Dr.Leopold Seitl. Seitl war überdies provisorischer Ortsgruppenleiter der NSDAP Eibiswald vom 13.März bis zum 1.Juni 1938.

Isidor Puff galt als der erste “praktizierende” Sozialdemokrat des Marktes und war über lange Zeit Mitglied des Gemeinderats. Nach seinem Tode kamen vier Erben in den Besitz des Hauses, bis es 1953 von Ing.Rudolf Lenhard und seiner Frau erworben wurde.

1963 erwarben das Haus Johann und Emma Bretterklieber und gründeten hier ein Fleischergeschäft, dem später noch eine Imbißstube folgte. Fast zwei Jahrzehnte lang verwöhnte Frau Bretterklieber die Eibiswalder Bürgerschaft mit ihrem “berühmten” Gulasch. 1981 wurde der Betrieb an Ferdinand Bretterklieber übergeben.

 

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