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© Heimo Strasser

 

Haus Nr.22  (alt 25)   “Gasthaus Simperl”

Dieses Haus diente von Alters her als Fleischhauerei und Gasthof und sollte nur wenige Besitzwechsel erleben. Als erster Besitzer scheint der Fleischhauer Sebastian Greßl (auch Grießl) auf, der 1690 Ratsherr wurde. Auf ihn folgte 1724 sein Sohn Jakob, der es sogar zum Marktrichter brachte, aber nach einer Auflehnung junger Bürger unter Traunsteiner aus dem Hause Nr.18 sein Amt zurücklegte. Jakob Greßl scheint keine Kinder gehabt zu haben, denn er übergab 1760 Haus und Gewerbe seinem Vetter Joseph Greßl, einem Fleischhauermeister aus Leutschach. Dieser vermählte sich noch im gleichen Jahr mit Maria Therese Iberin, deren Vater Handelsmann und Hausbesitzer war. Aus Gründen, die wir nicht kennen, kam es zu einer öffentlichen Versteigerung, bei der ein Erlös von 2605 fl erzielt wurde.

Nachfolger waren 1785 Joseph und Juliana Pohr. Er war Fleischhauermeister aus der Stadt Steyr, sie eine Müllerstochter, die wohl das nötige Geld in die Ehe brachte. Pohr, der in zweiter Ehe die Bergholdenstochter Maria Ehmann geheiratet hatte, starb 1832. Auf ihn folgte sein Sohn Anton, der 1831 die Wirtstochter Maria Stelzer ehelichte, die schon 1832 im Kindbett verstarb. 1833 ehelichte Anton dann die Bauerntochter Elisabeth Schöninger. Nach seinem 1846 erfolgten Tod  heiratete die Witwe im Jahr darauf Johann Bestebner, einen Fleischersohn aus Mahrenberg. 1881 pachteten und 1883 kauften dann Thomas Burghart und seine Frau Maria das Gasthaus. Burghart stammte aus St. Johann im Saggautal, er war Lehrer und Gastwirt und von 1903 bis 1910 Bürgermeister des Marktes Eibiswald. Nach seinem Tode führte seine zweite Frau Katharina das Gewerbe weiter und übergab alles 1921 an ihren Sohn Josef Burghart.

Nun folgte ein mehrfacher Wechsel, es gab hier eine Trafik und auch ein Cafe. 1922 pachtete der Gutsverwalter des Eibiswalder Schloßes, Herr Josef Simperl d.Ä., das Haus mitsamt dem Gastbetrieb und kaufte es 1928. Herrn Simperl gelang es in wenigen Jahren, das kleine Cafe mit seinen drei wackeligen Marmortischen, einem Billardtisch und einem Extrazimmer in einen florierenden Betrieb umzuwandeln. 1930 heiratete seine Tochter Anna den Bezirksobmann Krieger, ehemaliger Offizier und Gastwirt in Oberhaag und einer der begehrtesten Junggesellen des Grenzlandes. 1935 wurde Herr Simperl zum Ortsführer der Vaterländischen Front ernannt.

1950 übernahm Josef Simperl junior, ein gelernter Bäcker. Er hatte in der Bäckerei der Gutsherrschaft Knips in St.Oswald gelernt. Heute befindet sich das Gasthaus in der dritten Generation im Besitze der Familie Simperl.

Bevor Herr Simperl senior die im ersten Stock gelegenen Räume beziehen konnte, mußte der Lehrer Leopold Barak als Untermieter aus diesen Räumen ausziehen und in das Lerchhaus übersiedeln. Barak, der mit der Gastwirtstochter Mitzi Prenner verheiratet war, spielte in den 20er und 30er Jahren eine heute vielfach unterschätzte Rolle. Das mag auch darin begründet sein, daß er stets im Schatten seines Kollegen und ”Grenzlandvater” Friedrich Fuchs gestanden hat. Im Mai 1937 starb er im Alter von 48 Jahren als Leiter der von ihm gegründeten gewerblichen Fortbildungsschule, die als Vorläufer der heutigen Berufsschule gilt.

Barak wirkte stets - auch privat - als strenger Lehrer. Daß er nicht ganz humorlos war, beweist die von ihm veröffentlichte Broschüre ”Lache Katheder”, eine Sammlung köstlicher Anektoten zum Thema ”Schule”.

 

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