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© Heimo Strasser


Haus Nr.19 (alt 22)   ”Hubmann”, ”Müller”

Dieses Haus war stets in den Händen wohlhabender Bürger und hieß lange Zeit ”Pernhardtsches Haus”. Schon als erster Besitzer wird Matthias Pernart (auch Bernhart) genannt, der 1688 das Bürgerrecht erwarb und in der Folgezeit nicht weniger als fünfmal zum Marktrichter gewählt wurde. 1712 vermählte sich Maria Anne Pernhart mit dem Landesgerichtsverwalter Johann Anton Walter. 1764 erbte Joseph Franz Walter, ”gewester Kanzleischreiber” bei der Herrschaft, der seinem Vater im Dienste nachgefolgt war, das Haus von seiner Mutter. Joseph Franz, der fünf Söhne und vier Töchter besaß, verdiente sein Brot als Marktschreiber und als Trafikant. Um den Tabakverlag zu erhalten, mußte eine beachtliche Kaution erlegt werden, aber der Schwager Walters, Franz Anton Lerch, stand für diesen gut. 1828 starb Joseph Franz Walter d.J., auch ”Tabakfranzl” genannt, im Alter von 70 Jahren. Allerdings waren die Dinge nicht immer so glatt verlaufen. Seine Schwester Constantia verliebte sich in den Bräuknecht Johann Geog Vockenhuber und setzte 1800 die Heirat mit ihm durch. Sie erhielt das Haus, aber die Mutter Maria Anne behielt sich den Verkaufsraum und ein Zimmer vor. 1806 starb Constantia im Alter von 24 Jahren, die Mutter schloß mit den ”Vockenhuberischen Gläubigern” einen Vergleich und übernahm das Haus.

Joseph Franz Walter war dreimal verheiratet, in zweiter Ehe mit Theresia Reichert, einer Lebzelterstochter, und in dritter mit der Bauerntochter Constantia Regina Prattes, die einen ledigen Sohn besaß. Als Witwe heiratete Constantia Regina dann den Sattler Josef Hofmann aus Mähren, der sich im Hause vulgo ”Walter” als Tabakverleger und Wirt fortbrachte. 1842 wurden Haus und Gründe auf 3.985 fl geschätzt. Constantia Regina überlebte auch ihren zweiten Mann und verkaufte als Witwe 1845 an Franz Xaver Iberer. Iberer, selbst Wirt, hatte das Haus für seinen Sohn Matthias gekauft. Ein weiterer Sohn Iberers war angesehner Pfarrer in Schwanberg. Die Witwe Maria Iberer heiratete 1855 Johann Müller, den Wirtschafter im Schloß.

Sein 1874 geborener Sohn Johann Müller II war Schneidermeister und gehörte noch zu jener Generation, die zur Erwerbung des Gesellenbriefes auf Wanderschaft gehen mußte. Er gelangte bis Rovereto, wo er bei einem Schneidermeister seine zukünftige Gattin Anna kennenlernte. Auf ihn folgten 1900 Johann III und Roswinda d.Ä.

Jener Müller Hans II ist den älteren Eibiswalder als rühriger Gastwirt noch in lebhafter Erinnerung. Unter anderem war er Obmann der Eibiswalder Ortsgruppe des Alpenländischen Kriegsteilnehmerverbandes, der am Ende der 20er Jahre mit 160 Mitgliedern einer der stärksten Vereine des Marktes war. Gemeinsam mit seinen Funktionären Alois Deutschmann, Raimund Seelack und Otto Magele plante und verwirklichte er die Errichtung des Kriegerdenkmals in den Jahren 1926/27. Durch seine Verbundenheit mit anderen Veteranen-Vereinen konnte Herr Müller mitunter recht hochgestellte Persönlichkeiten bewirten, so z.B. den Prinzen August Wilhelm von Preußen, der am 10.Juli 1929 anläßlich einer Grenzlandfahrt bei ihm dinierte. Seine Tochter Roswinda ist heute noch Fahnenmutter des Nachfolgevereines ÖKB.

1954 kam es zu einem Schenkungsvertrag von Johann Müller und seiner Tochter Roswinda, verheiratete Hubmann-Herrnegger. Heute führt Herr Herbert Sommer, der Sohn von Frau Ilse Sommer, hier ein Gasthaus.

 

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