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© Heimo Strasser

 

Gebäude Nr. 1 : Das Schloß

Die wechselhafte Geschichte der “Gutsherrschaft Eibiswald” endete, wie in der Marktchronik “Von Ybanswalde zu Eibiswald” ausführlich beschrieben ist, zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Was davon blieb, war ein ausgedehntes Landgut in einer Fläche von etwa 120 Hektar mit dem Renaissanceschloss als wirtschaftlicher Mittelpunkt des Saggautales. Nach dem Tod des Schlossherren Benedikt Karl Hansa im Jahre 1883 und seines Bruders Oberst Friedrich Hansa 1887 verfiel das Gut relativ rasch, bis es 1892 vom Diözesanverband des Vinzenzvereines angekauft wurde. Der in Graz ansässige und ganz auf Armenpflege ausgerichtete Vinzenzverein richtete im ersten Stock des Schlosses ein Waiseninternat für Knaben ein und wandelte allmählich die extensiv betriebene Wirtschaft in einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb um.

Diese inzwischen zum Großbetrieb ausgewachsene Landwirtschaft braucht ein tüchtiges Personal. Schloßverwalter von 1907-1919 war der Vater des Eibiswalder Gastwirtes Josef Simperl d. Ä. Er und seine Familie hatten ihre Wohnung im ersten Stock des riesigen Speichers, der in den 70er Jahren in ein Freizeitzentrum für die Berufsschüler umgebaut wurde, ober der heutigen Kegelbahn.

 Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Schloß unter staatliche Verwaltung gestellt und diente der NSDAP als Stützpunkt für SA und HJ. Ab dem Winter 1944/45 lagerte der Volkssturm darinnen.

Bis 1951 sah die Zukunft für das Schloß düster aus. Die meisten Räume waren derart desolat, daß man sie nur als Lagerräume nutzen konnte. Da schlug dem Markt Eibiswald eine seiner glücklichsten Stunden: Die Steiermärkische Landesregierung beschloß, hier eine Landesberufsschule zu gründen. 1953 begann der Lehrbetrieb für Elektroberufe und KFZ-Mechaniker. Die Küche, Werkstätten und der Speisesaal waren im Erdgeschoß, die Klassenräume im ersten Stock und die Schlafräume im zweiten Stock. 1955 errichtete man das erste Werkstättengebäude, nachdem ein schrecklicher Unfall im Vorjahr schwere Sicherheitsmängel offengelegt hatte.

 Nach Einrichtung der Werkstätte wandte man sich der zeitgemäßen Ausstattung des Internats zu. Das heutige Berufsschulinternat hat mit dem spartanisch-strengen “Vinzentinum” wohl nichts mehr gemeinsam. Herr Franz Kremser, der Internatsleiter, informiert uns über die heutige Situation: “Seit dem Jahre 1953 sind im Schloß Eibiswald die Lehrlinge der Berufsschule für Elektrotechnik untergebracht. 1961 erwarb die Kammer der gewerblichen Wirtschaft das Schloß und ließ es mit großem Kostenaufwand restaurieren, so daß es einerseits als stilgerechtes Kleinod erhalten blieb, andererseits dem Nachwuchs für wichtige Gewerbesparten eine schöne Unterkunft bietet.

Beinahe unverändert blieben der romantische Innenhof mit den schönen Säulenarkaden, vom wilden Wein überwuchert, und die wertvolle, alte Wendeltreppe. Von den Innenräumen imponiert am meisten das Erdgeschoß durch die wuchtigen Kreuzgratgewölbe, die durch die ganze Tiefe der Gänge reichen. Das Nebengebäude wurde zu einem Freizeitbereich für Lehrlinge umgestaltet und konnte daher vor dem Abbruch, der schon geplant war, gerettet werden.

Die St. Johannes-Kapelle zeigt Stuckdecken aus dem 17. Jahrhundert und wird von den Schülern auch gerne als "Meditationsraum" genützt.
Etwa 1.600 der insgesamt mehr als 1.800 Schüler, die alljährlich ihren Lehrgang in Eibiswald absolvieren, sind im Internat untergebracht. Seit einem Jahrzehnt werden die jungen Leute eher als "Gäste" und nicht mehr als "Heiminsassen" behandelt. Das Internat ist Ausgleich zum anstrengenden Schultag und bietet den Jugendlichen ein breites Freizeitangebot. In verschiedenen Sportarten, wie Beachball und Streetball, werden sogar Wettkämpfe ausgetragen. Immer öfter ist festzufeststellen, da manche Jugendliche unter den Betreuern mehr Ansprechpartner haben als zu Hause. Dies widerspiegelt die vielfach traurige Entwicklung in den Familien! Die Betreuung dieser Lehrlinge erfordert andererseits von den Erziehern viel Einfühlungsvermögen und Kreativität.

 

Das Berufsschulinternat Eibiswald ist für das Grenzland ein enorm wichtiger Wirtschaftsfaktor geworden. Einige Fakten mögen dies unterstreichen: Steiermarkweit gibt im Durchschnitt ein Internatsschüler in dem Ort, in dem er seinen Lehrgang besucht, zwischen 8.000.- und 10.000.- pro Lehrgang aus. Ein Lehrgang dauert über neun Wochen, pro Jahr finden vier Lehrgänge statt. Für eine zusätzliche Belebung der Infrastruktur sorgen die extern untergebrachten Schüler, das sind in Eibiswald etwa 100 pro Lehrgang.

 

Zu Beginn der 60er Jahre wuchs die Schülerzahl derart an, daß einzelne Klassen in Gasthäusern unterrichtet werden mußten. 1964 wurde das neue Hauptgebäude mit dem Festsaal fertiggestellt, die KFZ-Mechanik und KFZ-Elektronik wurden nach Arnfels verlagert. 1974 wurde das Internat erweitert und zwei Jahre darauf teilte man die Schule in zwei selbständige Lehranstalten, beide mit der Hausnummer 229: Schule Nr.1 für Lehrlinge sämtlicher Stark- und Schwachstromberufe und für die Elektroinstallateure des Großraumes Graz, Schule Nr.2 für die Elektroinstallateure von Steiermark-Land.

 

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