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400 Jahre Lerchhaus

Das größte Bürgerhaus des Marktes, das noch immer "Lerchhaus" genannte Eckhaus Nr. 82 mit seiner Neunfensterfront ist sicherlich das älteste, in seiner ursprünglichen Form erhalten gebliebene Markthaus.

Selbst die wiederholten Feuersbrünste konnten der massiven Bauweise dieses Hauses in seiner Grundsubstanz nichts anhaben.

Spätestens im 16. Jahrhundert entstanden, hat es die wesentlichen Stilmerkmale dieses Jahrhunderts bis heute erhalten und den Renaissancecharakter bewahrt.

Das große Gebäude, das diesen Stil in der Strenge seiner Bauform zeigt, ist, wie außen und innen deutlich erkennbar, aus dem Zusammenbau zweier Häuser entstanden und besaß nach der Theresianischen Nummerierung des 18. Jahrhunderts noch zwei Conscriptionsnummern, die Hausnummern 3 und 4.

Bauweise

Das große Haus besitzt zur ebenen Erde eine Diele oder Vorhalle von erstaunlicher Größe und Eigenart. Auf eine tragende wuchtige Steinsäule in der Mitte des Raumes und umgebenden Mauern eingewölbt, ist mit diesem interessanten Raum ein fast einmalig zu nennendes Stück Renaissancearchitektur auf unsere Zeit gekommen, dessen baugeschichtlicher Wert und dessen Bedeutung als örtliche Sehenswürdigkeit nicht allgemein erkannt und geschätzt wurde.

Die Künstlerin Emma Singer-Hiesleitner hat diesen interessanten Raum mit den eigenartigen Einwölbungen schon im Jahre 1922 als wertvolle Architektur vergangener Jahrhunderte gezeichnet und im Kloepferschen Buch "Aus dem Sulmtal" veröffentlicht.

In neuester Zeit finden wir die Lerch`sche Diele in der Sammlung "Gefährdete Kulturgüter Steiermarks" unter den wenigen erhaltenen Werken der Renaissance aufgenommen.

Das Lerchhaus in der Ortsgeschichte

Das Haus Lerch, das Marktpatrizlerhaus von altersher, spielte aber auch in vielerlei Weise im Geschick unseres Marktes mit.

Zweimal, in den Jahren 1711 und 1854 brachen in den Stallungen des Lerchhauses Brände aus, die den Markt an den Rand der Vernichtung brachten. Soviel über das alte Markthaus.

Das alte und angesehene Bürgergeschlecht der Lerch, seit 1612 in Eibiswald nachgewiesen, spielte in der Geschichte unseres Marktes eine bedeutende Rolle.

In den Jahren 1696, 1706 und 1806 lenkten die Lerch als Marktrichter die Geschicke des Marktes und in vielen Jahren waren sie Ratsherren, Viertelmeister oder schriftgewandte Syndikusse des Magistrates.

Unter dem Pfarrer Antonius Sylvester Lerch wurde 1707 am Kirchhof die barocke Kreuzgruppe geschaffen, die erst vor wenigen Jahren renoviert und an würdiger Stelle neu aufgestellt werden konnte.

Schon 1702 konnte der spätere Marktrichter Michael Andrä Lerch Schloß und Herrschaft Bischofegg vom Bischof von Seckau in Pacht nehmen. Gleichzeitig betrieben sie in Eibiswald die Bierbrauerei und das Lebzeltergewerbe.

Über 300 Jahre überdauerte das großbürgerliche Haus Lerch, angesehen und vermögend, alle Fährnisse dieser langen Zeit bis mit dem Sterben aller Industrie die guten Jahre in Eibiswald zu Ende gingen.

Wirtschaftliche Schwierigkeiten führten in den ersten Jahrzehnten unseres Jahrhunderts zu einem tragischen Ende des Lerch'schen Geschlechts.