Geschichtliches von Aibl


Als 1969 die Gemeinde Rothwein mit der der Gemeinde Aibl verbunden wurde, kam ein Gebiet zur Gemeinde, das in der Ver­waltungsgeschichte bis 1919, der Grenzziehung nach dem ersten Weltkrieg, nach Süden hin orientiert war. Die Gemeinde St.Bartholomä, mit der auch Rothwein verbunden war, war bei der Schaffung der Bezirkshauptmannschaften 1850 eine Ge­meinde der BH Windischgraz im Gerichts­bezirk Mahrenberg. Während der Hauptort der Gemeinde St. Bartholomä 1919 zu Jugo- slawien kam, verblieb der Teil,der an der Nordabdachung des Radl liegt, bei Öster­reich.

Aber auch innerhalb der alten Gemeinde Aibl gab es eine Umorganisierung der Ver­waltung. Die mit dem provisorischen Gemeindegesetz von 1849 aus den Katastral­gemeinden Aibl, Staritsch, Aichberg und Hadernig gebildete Verwaltungsgemeinde wurde nämlich wie der ebenfalls 1850 geschaffene Gerichtsbezirk Eibiswald der Bezirkshauptmannschaft Leibnitz zugeteilt. Erst als 1854 das Bezirksamt und in Folge 1868 die Bezirkshauptmannschaft Deutschlandsberg gebildet wurde, kam der Gerichtsbezirk Eibiswald und damit die Gemeinde Aibl zu dieser Verwaltungsbehörde.

Gerichtlich unterstand das Gemeindegebiet bis zur Errichtung der Bezirksgerichte, 1850, zur Gänze dem Landgericht Eibiswald, das noch vor 1265 errichtet worden war und wo alle schweren Gerichtsfälle abgehandelt wurden. Das hohe Alter des Landesgerichtes Eibiswald erklärt sich daraus, daß das Gebiet um Eibiswald landesfürst­liches Gut war, worauf durch Rodung der ausgedehnten Wälder sich die Herrschaft Eibiswald entwickelte.

Der Großteil, im besonderen der zur Saggau hin ausgerichtete Teil des Gemeinde­gebietes, war bis zur Quelle der Saggau schon in der ersten Hälfte des 12. Jahr­hunderts erschlossen, das beweist die ursprünglich rein deutsche Namensgebung des Gebietes an der Saggau; die Rodung griff sogar nach Südwesten bis an den Krummbach über. Ein Beweis für früheste Besiedlung im Gemeindegebiet von Aibl stellt auch die teilweise grundherrliche Zersplitterung an der Saggau am Aichberg dar, wie der Name des Berges selbst, der ohne jede sprachliche Erweiterung des Siedlungs­namen den einst angetroffenen Naturzustand des Gebietes ausweist.

Anders verhielt es sich mit dem der heutigen Landesgrenze zu liegenden Gebieten der Gemeinde. Die Rodung erfolgte hier von Eibiswald aus, das den Namen nach eine m Namensvetter der Sagengestalt Iwein trägt, wohl erst nach dem Anfall der Mark hinter dem Drauwald nach dem Tod Bernhards von Spanheim auf dem Kreuzzug 1147 an den steirischen Landesfürsten.

Der Radlpaß hingegen war wohl schon in vorgeschichtlicher Zeit begangen worden. Radl weist immer auf einen beliebten Übergang hin. Auch der Name Rothwein in sla­wischer Ausformung deutet auf die Gegend des beliebten Passes hin. Andrerseits führte auch eine nicht unwesentliche alte Straße durch das Gemeindegebiet über das benachbarte St.Oswald, durch einen Schützenhof gesichert und durch die vulgo Mautner  gekennzeichnet, vom Saggautal in das Drautal und nach Kärnten.

Die urkundlichen Nennungen setzen freilich, wie fast überall, erst ein, als das Ge­biet schon längst erschlossen war. Das gilt sowohl für die fast ausschließlich deutsch benannten,  zur Saggau ausgerichteten Orte wie für die sich immer mehr nach Süden hin orientierten Ortschaften. Rothwein, "die Gegend am Paß, am Übergang", wird 1315 erstmals urkundlich erwähnt, als Gottfried von Trixen unter anderem auch eine, zuvor dem Ekkel von Schwanberg gehörende Hube "am Redwin" dem Frauenkloster zu Mahrenberg widmete. Zehentherr in Rothwein war das Stift St. Paul im Lavanttal, das den Zehent 1408 Ulrich dem Putz zu Lehen gab. Das verwundert nicht, den Rothwein gehörte zur Kirche St. Bartholomä, die eine Filiale von Hohenmauthen war und damit aus der Urpfarre Lavamünd ausgeschieden worden war. St. Bartholomä (die Kirche heute slovenisch Sveti Jernej) wird 1382 erstmals urkundlich überliefert, als Heinrich von Mahrenßerg zwei Huben bei St.Bartholomä ob dem Raidwein dem Frauenkloster zu Mahrenberg widmete.

Der 1969 bei der Aufteilung der Katastralgemeinde Bachholz als Grenze genommene Auenbach wird in mittelalterlichen Aufzeichnungen nicht erwähnt. Er trägt seinen Namen nach "der Auen", die im Urbar der Herrschaft Eibiswald von 1577 erstmals aus­ gewiesen wird. Hingegen wurde Bachholz schon im landesfürstlichen Urbar der Herr­schaft Eibiswald von etwa 1280 als "Puochholtz" verzeichnet. Demnach war der Wald am Radl ursprünglich ein Buchenwald. Als die 1544 erstmals erwähnte Filialkirche St. Anton 1617 visitiert wurde, hieß es von ihr, daß sie "in monte Purgholz" stand. Da hier nie eine Burg festgestellt werden konnte,weist das verschriebene Purgholz noch auf den Buchenwald hin.

Die 1969 aus der Gemeinde Bachholz zur Gemeiinde Aibl gekommene Katastralgemeinde St. Lorenzen wird 1399 erstmals schriftlich überliefert,als Graf Hermann von Cilli dem Peter Metnitzer einen Lehensurlaub auch über eine Hube bei St.Lorenzen ge­währte.

St. Lorenzen, St. Anton und Bachholz gehörten seit jeher zur Herrschaft Eibiswald, das bis 1294 landesfürstlich war, dann an die Herren von Wildon kam und nach deren Aussterben wieder an den Landesfürsten fiel, der sie als Lehen ausgab, so an die Herren von Walsee, oder durch Pfleger verwalten ließ, bis sie 1639 endlich die Freiherren von Eibiswald, nach dem sie sich schon Jahrhunderte nannten, erwerben konnten.

Zur Herrschaft Eibiswald war auch ein Großteil der Bauern und Weinbergler von Hadernigg, Staritsch, Aibl und Aichberg untertan.

Staritsch, das als einziger Siedlungsname im Gebiet der alten Gemeinde Aibl sla­wisch benannt zu sein scheint, wird als Saeritsch im Zehentbuch des Bischofs von Seckau aus dem Jahre 1406 erstmals schriftlich überliefert. Hiebei scheint es sich um eine Verschreibung zu handeln, denn ab etwa 1500 (Urbar der Herrschaft Eibiswald) wird es immer Staritsch genannt. Der Name, der als "Sohn oder Hof des Alten" zu deuten ist, dürfte nach einem Hof benannt worden sein. Dasselbe ist, wie vielfach in Einzelhofgebieten, auch bei Hadernigg anzunehmen. Trotz der Endung auf -nigg kann der Name nicht als rein slawisch angesehen werden; zugrunde liegt offensichtlich das deutsche Hard, das den Wald meint. Von den wenigen nicht zu den landesfürstlichen Gütern der Herrschaft Eibiswald gehörenden Anwesen in diesem Gebiet zählte auch eine Hube "im Hadernikg gelegen", die 1436 die Grafen von Cilli der Kärntnerin Anna der Halleggerin, der Witwe des Hanns zu Laak, zu Lehen gaben; auf der Hube saß damals Peter Müller.

Im gleichen Jahr verliehen die Grafen von Cilli der Halleggerin auch einen Hof ob Eibiswald am Aychperg. Wie die Grafen von Cilli diese Güter erworben haben, läßt sich sowenig wie bei den Besitzerwerbungen der Herren von Stubenberg heute fest­ stellen. Aichberg wird erstmals 1351 urkundlich erwähnt.

Aus dem Urbarbesitz der Herrschaft Eibiswald dürften schon früh Teile abgesplittert worden sein. Als die Wildonier Herren auf Eibiswald waren, läßt sich dies belegen.

Mit der Stiftung von 6 1/2 Eimer Weinbergrechten "an dem Aelblein" und drei Huben im Jahre 1314 durch den steirischen Marschall Herdnit von Wildon und seinen Bruder Ulrich anläßlich des Eintrittes der Töchter des Bruders Richer ins Kloster zu Mahrenberg wird erstmals der Name der heutigen Großgemeinde Aibl urkundlich überliefert. Der Name ist weniger von einer kleinen Alm abzuleiten, obwohl auch tiefer gelegene Weiden in alter Zeit als Alm bezeichnet wurden, sondern vielmehr von einem abgekürzten Personennamen. Namensgeber scheint der als Zeuge in einer Urkunde von 1314 vorkommende Alber von Eibiswald oder einer seiner gleichnamigen Vorfahren zu sein. Nicht umsonst wird in späteren Jahrhunderten wiederholt ein Hof erwähnt, der einst des "Aelblein" gewesen war.

Pfarrmäßig gehörten und gehören Aibl, Aichberg, Staritsch, Bachholz und der untere Teil von Hadernigg zur Pfarre Unserer Lieben Frau zu Eibiswald. Diese Kirche wird erstmals 1170 erwähnt. Die Pfarre war Teil des Archidiakonats Untere Mark des Erzbischofs von Salzburg. Als 1773 in St.Oswald eine Kuratie errichtet wurde, teilte man außer Hadernigg auch St.Lorenzen diesem Seelsorgebereich zu. Als 1790 St. Loren­zen zur Pfarre erhoben wurde ,erhielt es außer St. Lorenzen auch den Großteil von Hadernigg als Pfarrgebiet zugeteilt; letztlich fiel der Pfarre auch jener Teil der Gemeinde St. Bartholomä und Rothwein zu, der bis 1919 zur Pfarre St. Bartholomä ge­hörte. Diese Pfarre lag in der 1228 gegründeten Diözese Lavant, deren Sitz 1859 von St.Andrä im Lavanttal nach Marburg verlegt wurde.

Von der Schule in St. Lorenzen wurde noch im vergangenen Jahrhundert eine Filiale in Rothwein errichtet. Heute besteht nur noch diese einklassige Schule mit neun Kindern.

Da im Gebiet der heutigen Gemeinde gleich zwei Wallfahrtskirchen mit Viehpatronen bestehen, dürfte jahrhundertelang der Viehzucht in diesem Gebiet wesentliche Bedeutung zugekommen sein. Außer St. Anton, wo der Einsiedlerabt Antonius als Schweine­ patron verehrt wurde, von den Einheimischen Fockentoni genannt, entwickelte sich neben St.Lorenzen eine Wallfahrt zum allgemeinen Viehpatron St. Leonhard. Seine Kirche, nur 300 Meter neben der Lorenzikirche; St. Leonhard in der Eben genannt, wird 1545 erstmals schriftlich überliefert; sie war bis 1829 Filiale der Pfarre Mahrenberg.

Diese beiden Kirchen wurden so nahe beieinander gebaut, um die beiden Diözesan­gebiete abzugrenzen; Übergriffe sollten dadurch verhindert werden.

Von der Viehzucht abgesehen war das wirtschaftliche Leben weitgehend vom Wald be­stimmt, zahlreiche alte Sägen standen neben Mühlen an den Flußläufen.

In günstigen Lagen am Aichberg, Hadernigg und besonders am Aiblerkogel wurde nach­weislich seit den ersten urkundlichen Nennungen der Orte Weinbau betrieben, der nach dem Rückgang zu Ende des vorigen Jahunderts, heute wieder im Aufblühen ist.

Im Gemeindegebiet entwickelte sich aber auch eisenverarbeitendes Gewerbe. Aus alten Sensenhämmern am Fuß des Aichberges entwickelte sich das Stahl- und Eisenwerk Eibis­wald, das früh mit Wieser Kohle befeuert wurde; es erfreute sich der Förderung des großen steirischen Montanisten Peter Tunner. Von der österreichischen Alpine Montan­ gesellschaft wurde es von 1884 bis 1905 betrieben.

Auch das Eibiswalder Glas wurde im Gemeindegebiet von Aibl produziert.Die Glashütte in Staritsch, 1812 gegründet, stand bis 1880 in Betrieb; die 1856 gegründete Hütte in Aibl wurde 1929 stillgelegt.

In Aichberg weist heute noch der vulgo Aichberger auf das einstige Schloß Aichberg hin; es wurde sogar in Vischers Schlösserbuch des Herzogtums Steiermark aufgenommen.

Nachweislich besaßen die Schrampf den Hof am Aichberg seit 1427, wo damals auch die Stubenberger von ihrer Herrschaft Mureck aus Lehen vergaben. Ein Jörg Schrampf kann allerdings schon 1338 in der Nachbarschaft nachgewiesen werden; er war Zeuge in einer Schenkungsurkunde für das Frauenkloster in Mahrenberg. 1480 wurde Leopold Schrampf mit dem Hof am Aichberg von Kaiser Friedrich III. belehnt, der ihm im glei­chen Jahr auch die Pflegschaft von Lavamünd übertrug. Im Dienste des Landesfürsten gewann das Dienstmannengeschlecht der Schrampf Ansehen.

Besondere Verdienste erwab sich das Geschlecht an der Windischen Grenze gegen die Türken. Adam Schrampf stand viele Jahre im Dienste der steirischen Stände als Hauptmann und Oberhauptmann des gemeinen Mannes, eines Fähnleins der Knechte und der Bogenschützen. Am umfangreichsten war seine Tätigkeit in der Verwaltung des Bau­ zahlmeisteramtes der Windischen Grenze. Mit kurzen Unterbrechungen war er von 1563 bis 1590 als Verwalter für den Ausbau der Verteidigungsanlagen dieses Grenzab­ schnittes verantwortlich. Zum Unterschied vieler, die aus solchen Aufgaben Gewinn zu schlagen verstanden, traf dies bei Adam Schrampf nicht zu. Ihm stellten die stei­ rischen Stände das seltene Zeugnis aus, daß er seine Aufgaben "in gueter Ordnung und Richtigkeit" verrichtet hatte.

Das Wappen eines solchen ordentlichen Mannes als Grundlage zu einem Gemeindewappen zu wählen, zeugt von der Verantwortlichkeit der Gemeindevertretung. So einfach die Schrampf waren, so bescheiden war auch ihr Wappen. Durch die mehrfache Schrägteilung von Silber und Rot zeigt der Schild nur eine sogenannte Heroldsfigur. Weil für Jahr­hunderte der Weinbau im Gemeindegebiet als Sonderkultur der Weinbau den größten Arbeitsaufwand und Fleiß verlangte,wurden die mittleren Balken des Wappens mit Weinlaub belegt; dies alles in verwechselten Farben,um den heraldischen Regeln vom Wechsel von Metall und Farbe zu entsprechen.

Das äußerliche Zeichen des Weinlaubes hat aber auch tieferen Sinn. Jedes Leben bir­gende Blatt verheißt Wachstum, Blüte und Frucht als Lohn jeder harten Arbeit und ständigen Fleißes. Die Leistung jedes einzelnen wie des Gemeinwesens als Ganzes wird zum Wohle aller werden,wenn sie erbracht wird in guter Ordnung und Richtigkeit.

"Von Silber und Rot fünfmal schrägrechts geteilt; in den mittleren Feldern farb­ verwechselt aus der Teilungslinie drei Weinblätter wachsend, die oberen abwärts, die unteren aufwärts gekehrt."

Dieses Wappen beschloß der Gemeinderat Aibl einstimmig am 30.Juni 1989; die Steiermärkische . Landesregierung verlieh es am 11.September 1989 mit Wirkung vom 1. Oktober 1989. (LGBl.75/1989).

Heinrich Purkarthofer